Lexikon · Doppelte Buchführung

Offene Posten (OPOS)

Offene Posten sind gebuchte, aber noch nicht ausgeglichene Rechnungen; die Offene-Posten-Liste zeigt je Debitor und Kreditor, welche Beträge mit welcher Fälligkeit noch ausstehen.

Offene Posten sind gebuchte, aber noch nicht ausgeglichene Rechnungen. Auf der Kundenseite sind das unbezahlte Ausgangsrechnungen (debitorische offene Posten), auf der Lieferantenseite noch nicht beglichene Eingangsrechnungen (kreditorische offene Posten). Ein Posten entsteht mit der Rechnungsbuchung auf dem Personenkonto und verschwindet erst, wenn eine Zahlung ihm konkret zugeordnet wird.

Die Offene-Posten-Liste (OPOS-Liste) führt sie je Debitor und Kreditor mit Betrag, Belegnummer und Fälligkeit auf. Sie ist die Grundlage für Mahnwesen, Zahlungsläufe und Liquiditätsplanung — und zum Jahresabschluss für die Bewertung der Forderungen.

Wie ein Posten ausgeglichen wird

Der Ausgleich ist eine ganz normale Buchung gegen dasselbe Personenkonto: Bank (SKR03 1200 / SKR04 1800) an Debitor in Höhe des Zahlungseingangs. Entscheidend ist die Zuordnung zum Beleg — nicht nur zum Konto. Zahlt ein Kunde auf eine Forderung über 5.950,00 € nur 3.000,00 €, bleibt ein Restposten von 2.950,00 € stehen, der weiter mahnfähig ist. Zieht er dagegen 2 % Skonto und überweist 5.831,00 €, muss die Differenz von 119,00 € als gewährtes Skonto gebucht werden, sonst bleibt sie ewig als Kleinstposten offen.

Altersstruktur: die eigentliche Aussage der Liste

Ein einzelner Summenwert sagt wenig. Erst die Staffelung nach Überfälligkeit zeigt, wo das Geld hängt. Beispiel eines Forderungsbestands von 40.000 € zum Stichtag:

FälligkeitsklasseBetragAnteilMaßnahme
noch nicht fällig17.200,00 €43 %beobachten
1–30 Tage überfällig11.600,00 €29 %Zahlungserinnerung
31–60 Tage überfällig6.400,00 €16 %Mahnung mit Verzugszinsen
61–90 Tage überfällig3.200,00 €8 %letzte Mahnung, Lieferstopp
über 90 Tage überfällig1.600,00 €4 %Einzelwertberichtigung prüfen
Summe40.000,00 €100 %

Verzug, Mahnung und was er kostet

Ohne besondere Vereinbarung kommt der Schuldner spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung in Verzug (§ 286 Abs. 3 BGB). Gegenüber Verbrauchern gilt diese Automatik nur, wenn in der Rechnung ausdrücklich darauf hingewiesen wurde. Ab Verzug schuldet der Kunde Zinsen: 9 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz bei Rechtsgeschäften ohne Verbraucherbeteiligung, 5 Prozentpunkte gegenüber Verbrauchern (§ 288 BGB). Der Basiszinssatz liegt seit dem 1. Juli 2026 bei 1,52 % — der Verzugszins im B2B-Geschäft damit bei 10,52 % p. a.

Konkret für eine überfällige Rechnung über 5.950,00 € brutto, 45 Tage im Verzug: 5.950,00 € × 10,52 % × 45/365 = 77,17 € Zinsen. Dazu kommt die Verzugskostenpauschale von 40,00 € nach § 288 Abs. 5 BGB, die einem Unternehmer gegenüber einem anderen Unternehmer ohne weiteren Nachweis zusteht — zusammen 117,17 €. Formulierungen dafür liefert die Mahnungsvorlage, für die freundlichere Vorstufe die Zahlungserinnerung.

Achtung

Verzugszinsen und Mahnkosten sind Schadenersatz, kein Entgelt für eine Leistung. Sie werden ohne Umsatzsteuerausweis berechnet und dürfen die Bemessungsgrundlage der ursprünglichen Rechnung nicht erhöhen. Wer auf die Mahnung 19 % Umsatzsteuer aufschlägt, schuldet diese Steuer allein wegen des Ausweises — der Kunde darf sie trotzdem nicht als Vorsteuer ziehen.

Warum Posten hängen bleiben

OPOS zum Jahresabschluss

Zum Bilanzstichtag müssen die offenen Posten mit den Sammelkonten abgestimmt sein: Die Summe der Debitorensalden entspricht dem Saldo von Konto 1400 (SKR03) beziehungsweise 1200 (SKR04), die Summe der Kreditorensalden dem Konto 1600 (SKR03) beziehungsweise 3300 (SKR04). Weichen die Werte ab, wurde direkt auf ein Sammelkonto gebucht. Anschließend werden zweifelhafte Forderungen einzelwertberichtigt und uneinbringliche ausgebucht. Zur Bestätigung gegenüber Prüfern dient die Saldenbestätigung. Und unabhängig davon gilt: Eine Forderung verjährt nach § 195 BGB in drei Jahren, gerechnet ab dem Schluss des Jahres, in dem sie entstanden ist.

Häufige Fragen

Was gehört in eine Offene-Posten-Liste?

Mindestens Personenkonto, Belegnummer, Rechnungsdatum, Fälligkeitsdatum, Bruttobetrag und offener Restbetrag. Ohne Fälligkeitsdatum lässt sich weder mahnen noch die Liquidität der nächsten Wochen planen.

Ab wann ist ein Kunde in Verzug?

Spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung, § 286 Abs. 3 BGB. Gegenüber Verbrauchern gilt das nur, wenn in der Rechnung ausdrücklich darauf hingewiesen wurde. Ein konkret vereinbartes Zahlungsdatum oder eine Mahnung kann den Verzug früher auslösen.

Wie hoch sind die Verzugszinsen 2026?

Bei Geschäften ohne Verbraucherbeteiligung 9 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz. Der Basiszinssatz liegt seit dem 1. Juli 2026 bei 1,52 %, der Verzugszins damit bei 10,52 % pro Jahr. Gegenüber Verbrauchern sind es 5 Prozentpunkte, also 6,52 %.

Darf ich für eine Mahnung Gebühren verlangen?

Gegenüber Unternehmern gibt es zusätzlich zu den Verzugszinsen eine Pauschale von 40 Euro nach § 288 Abs. 5 BGB. Darüber hinaus sind nur tatsächlich entstandene Verzugskosten erstattungsfähig; die Kosten der ersten Mahnung gehören regelmäßig nicht dazu, weil sie den Verzug erst begründet.

Sind Verzugszinsen umsatzsteuerpflichtig?

Nein. Verzugszinsen und Mahnkosten sind Schadenersatz und kein Entgelt für eine Leistung. Sie werden ohne Umsatzsteuerausweis berechnet und erhöhen nicht die Bemessungsgrundlage der ursprünglichen Rechnung.

Warum bleiben Posten offen, obwohl bezahlt wurde?

Meist wegen Sammelüberweisungen, Teilzahlungen oder abgezogenem Skonto. Der Zahlungsbetrag passt dann zu keiner einzelnen Rechnung, die automatische Zuordnung greift nicht, und ein Restbetrag bleibt als Karteileiche stehen.