Lexikon · Doppelte Buchführung

Kreditor

Ein Kreditor ist ein Lieferant oder Dienstleister, dem ein Unternehmen Geld schuldet; sein Personenkonto sammelt Eingangsrechnungen, Zahlungen und Skontoabzüge und fließt in das Sammelkonto Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Ein Kreditor ist ein Lieferant oder Dienstleister, dem ein Unternehmen Geld schuldet. Wie beim Debitor wird für ihn ein eigenes Personenkonto geführt, auf dem Eingangsrechnungen, Zahlungen, Gutschriften und Skontoabzüge gesammelt werden. Die Summe aller Kreditorensalden bildet die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen in der Bilanz.

Auch die Kreditorenkonten sind Personenkonten und liegen im DATEV-Standard im Nummernkreis 70000 bis 99999 — sowohl im SKR03 als auch im SKR04. Das zugehörige Sammelkonto unterscheidet sich dagegen zwischen den Kontenrahmen.

Konten, die eine Kreditorenbuchung berührt

KontoSKR03SKR04
Personenkonten Kreditoren70000–9999970000–99999
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen16003300
Wareneingang 19 % Vorsteuer34005400
Abziehbare Vorsteuer 19 %15761406
Erhaltene Skonti 19 % Vorsteuer37365736
Bank12001800

Rechenbeispiel: Rechnung, Zahlung, Skonto

Der Kreditor 70120 liefert Waren für 2.000,00 € netto. Mit 19 % Umsatzsteuer sind das 380,00 €, brutto 2.380,00 €. Vereinbart ist: 2 % Skonto bei Zahlung innerhalb von 10 Tagen, sonst 30 Tage netto. Der Skontobetrag beträgt 2 % von 2.380,00 € gleich 47,60 €; darin stecken 40,00 € Nettoentlastung und 7,60 € Vorsteuerkorrektur. Überwiesen werden 2.332,40 €.

SchrittSollHabenBetrag
RechnungseingangWareneingang 19 % (3400 / 5400)Kreditor 701202.000,00 €
Abziehbare Vorsteuer 19 % (1576 / 1406)Kreditor 70120380,00 €
Zahlung mit SkontoKreditor 70120Bank (1200 / 1800)2.332,40 €
Kreditor 70120Erhaltene Skonti 19 % (3736 / 5736)40,00 €
Kreditor 70120Abziehbare Vorsteuer 19 % (1576 / 1406)7,60 €

Nach beiden Buchungen ist das Konto 70120 ausgeglichen: 2.380,00 € im Haben stehen 2.332,40 € plus 40,00 € plus 7,60 € im Soll gegenüber. Ausführlich steht der Ablauf unter Eingangsrechnung buchen; die Fristen lassen sich mit dem Skonto-Rechner nachrechnen.

Was Skonto wirklich wert ist

2 % Skonto klingen klein, sind aber ein sehr teurer Kredit, wenn man sie verfallen lässt. Wer statt am 10. erst am 30. Tag zahlt, kauft sich 20 Tage Zahlungsaufschub für 2 % des Rechnungsbetrags. Auf das Jahr hochgerechnet: 2 geteilt durch 98, multipliziert mit 365 geteilt durch 20 — das entspricht rund 37 % Zinsen pro Jahr. Genau deshalb sind ein gepflegter Kreditorenstamm und ein terminierter Zahlungslauf mehr als Ordnungsliebe.

Praxis

Die unangenehmere Frage der Kreditorenbuchhaltung ist nicht „Was schulden wir wem?“, sondern „Liegt zu jeder Zahlung auch die Rechnung vor?“. Für den Vorsteuerabzug verlangt § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG eine nach §§ 14, 14a UStG ausgestellte Rechnung. Eine Abbuchung auf dem Kontoauszug belegt die Zahlung, nicht die Leistung — und rettet den Vorsteuerabzug nicht.

Der Zahlungslauf

Aus den Kreditorensalden entsteht die kreditorische Offene-Posten-Liste, und aus ihr der Zahlungsvorschlag. Sortiert wird nach Fälligkeit und Skontofrist, nicht nach Rechnungsdatum: Eine Rechnung vom 1. mit 10 Tagen Skontofrist ist dringender als eine vom 5. mit 30 Tagen netto. Bezahlt wird typischerweise ein- bis zweimal pro Woche gesammelt — häufiger kostet Bearbeitungszeit, seltener kostet Skonto.

Vier Stammdaten steuern diesen Lauf: IBAN, Zahlungsbedingung, Zahlungssperre und die Zuordnung zum Aufwands- oder Warenkonto. Ist die Zahlungsbedingung im Stammsatz hinterlegt, berechnet die Software Fälligkeit und Skontobetrag selbst; wird sie je Rechnung neu eingetippt, entstehen genau die Abweichungen, die später als Restposten von wenigen Euro stehen bleiben.

Häufige Fehler im Kreditorenstamm

Wo die Rechnung schlicht fehlt, hilft nur die Nachbeschaffung beim Lieferanten. Die Prüfschritte vor der Buchung stehen im Ratgeber Vorsteuerabzug prüfen, das Sammeln der fehlenden Dokumente übernimmt bei belege.ai ein Agent, der Postfach und Lieferantenportale automatisch nach der passenden Rechnung durchsucht.

Häufige Fragen

Welche Kontonummern haben Kreditoren?

Im DATEV-Standard 70000 bis 99999, in SKR03 und SKR04 gleichermaßen. Unterschiedlich ist nur das Sammelkonto: Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen liegt im SKR03 auf 1600 und im SKR04 auf 3300.

Muss ich für jeden Lieferanten ein Kreditorenkonto anlegen?

Nein. Für einmalige Lieferanten genügt ein Sammelkreditor oder die direkte Buchung gegen das Verbindlichkeitskonto. Ein eigenes Personenkonto lohnt sich, sobald es wiederkehrende Rechnungen, Zahlungsziele oder Skontovereinbarungen gibt.

Lohnt sich Skonto überhaupt?

Fast immer. 2 % Skonto bei Zahlung binnen 10 statt 30 Tagen entsprechen einem Jahreszins von rund 37 % — deutlich mehr, als ein Kontokorrentkredit kostet. Die Formel lautet Skontosatz geteilt durch den Restzahlungsanteil, hochgerechnet auf die gewonnenen Tage.

Darf ich eine Rechnung buchen, die noch nicht bezahlt ist?

Ja, in der doppelten Buchführung ist das sogar zwingend. Aufwand und Vorsteuer entstehen mit Leistung und Rechnung, nicht mit der Zahlung. Nur in der Einnahmenüberschussrechnung zählt allein der Zahlungszeitpunkt.

Was passiert, wenn die Lieferantenrechnung fehlt?

Ohne Rechnung gibt es keinen Vorsteuerabzug. § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG verlangt eine nach §§ 14, 14a UStG ausgestellte Rechnung; ein Kontoauszug oder eine Kreditkartenabrechnung erfüllt diese Voraussetzung nicht.