Debitor
Ein Debitor ist ein Kunde, gegen den ein Unternehmen eine Forderung hat; für ihn wird ein eigenes Personenkonto geführt, dessen Saldo automatisch in das Sammelkonto Forderungen aus Lieferungen und Leistungen fließt.
Ein Debitor ist ein Kunde, gegen den ein Unternehmen eine Forderung hat. Für jeden Debitor wird ein eigenes Personenkonto geführt, auf dem Ausgangsrechnungen, Zahlungen, Gutschriften und Mahnungen zusammenlaufen. Alle Personenkonten zusammen bilden die Debitorenbuchhaltung — ein Nebenbuch, dessen Salden in ein Sachkonto der Bilanz einfließen.
Dieses Sachkonto heißt Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und ist ein Sammelkonto: Es lässt sich nicht direkt bebuchen, sondern übernimmt automatisch die Summe aller Debitorensalden. Gebucht wird auf dem Personenkonto, ausgewiesen wird auf dem Sammelkonto.
Nummernkreise in SKR03 und SKR04
In den DATEV-Kontenrahmen haben Personenkonten eine Stelle mehr als Sachkonten: Zu vierstelligen Sachkonten gehören fünfstellige Debitoren- und Kreditorenkonten. Die Aufteilung des Nummernkreises ist in SKR03 und SKR04 identisch, die zugehörigen Sammelkonten dagegen nicht.
| Konto | SKR03 | SKR04 |
|---|---|---|
| Personenkonten Debitoren | 10000–69999 | 10000–69999 |
| Personenkonten Kreditoren | 70000–99999 | 70000–99999 |
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Sammelkonto) | 1400 | 1200 |
| Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (Sammelkonto) | 1600 | 3300 |
| Zweifelhafte Forderungen | 1460 | 1240 |
| Erlöse 19 % USt | 8400 | 4400 |
| Umsatzsteuer 19 % | 1776 | 3806 |
| Bank | 1200 | 1800 |
Rechenbeispiel: Ausgangsrechnung und Zahlungseingang
Ein Kunde mit dem Debitorenkonto 10250 erhält eine Rechnung über 5.000,00 € netto zuzüglich 19 % Umsatzsteuer, also 5.950,00 € brutto. Das sind zwei Geschäftsvorfälle und damit zwei Buchungssätze:
| Vorgang | Soll | Haben | Betrag |
|---|---|---|---|
| Ausgangsrechnung | Debitor 10250 | Erlöse 19 % (SKR03 8400 / SKR04 4400) | 5.000,00 € |
| Debitor 10250 | Umsatzsteuer 19 % (SKR03 1776 / SKR04 3806) | 950,00 € | |
| Zahlungseingang | Bank (SKR03 1200 / SKR04 1800) | Debitor 10250 | 5.950,00 € |
Zwischen beiden Buchungen steht der volle Bruttobetrag als offener Posten auf dem Konto 10250. Erst der zugeordnete Zahlungseingang gleicht ihn aus. Das Sammelkonto 1400 beziehungsweise 1200 wird dabei nie direkt angesprochen — es zeigt am Monatsende nur die Summe aller Debitorensalden.
Die Kontonummer 1200 bedeutet in beiden Kontenrahmen etwas völlig anderes: Im SKR03 ist 1200 das Bankkonto, im SKR04 sind es die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Wer eine Kontierung aus einer SKR03-Anleitung ungeprüft in ein SKR04-Mandat überträgt, bucht einen Zahlungseingang gegen die Forderungen statt gegen die Bank.
Debitorennummer, Kundennummer, Stammdaten
Die Debitorennummer ist eine reine Buchhaltungsnummer. Sie muss eindeutig sein und bleibt einem Kunden dauerhaft zugeordnet, damit die Historie über Jahre lesbar bleibt. Zum Stammsatz gehören außerdem Zahlungsbedingungen, das Zahlungsziel, vereinbartes Skonto, Mahnverfahren und — bei EU-Kunden — die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, ohne die eine innergemeinschaftliche Lieferung nicht steuerfrei bleibt.
Doppelt angelegte Debitoren sind der häufigste Stammdatenfehler: Derselbe Kunde bekommt bei einer Umfirmierung oder einer zweiten Lieferadresse ein weiteres Konto, und die offenen Posten verteilen sich anschließend auf zwei Nummern. Beim Mahnlauf fällt das erst auf, wenn ein Kunde eine Mahnung über eine längst bezahlte Rechnung erhält.
Was die Debitorenbuchhaltung liefert
Aus den Personenkonten entsteht die Offene-Posten-Liste, und aus ihr die beiden Kennzahlen, die im Tagesgeschäft zählen: der Forderungsbestand und die durchschnittliche Forderungslaufzeit. Beträgt der Forderungsbestand 58.000 € bei einem Bruttoumsatz von 720.000 € im Jahr, ergibt sich eine Laufzeit von 58.000 € geteilt durch 720.000 €, multipliziert mit 365 Tagen — rund 29 Tage. Steigt dieser Wert, ohne dass sich die Zahlungsbedingungen geändert haben, ist das ein Frühindikator für Zahlungsprobleme im Kundenstamm und für die Liquiditätsplanung relevanter als jede Umsatzzahl.
Zum Jahresabschluss werden die Debitorensalden bewertet. Zweifelhafte Forderungen wandern auf das gleichnamige Konto (SKR03 1460, SKR04 1240) und werden einzelwertberichtigt; uneinbringliche Forderungen werden ausgebucht, wobei die Umsatzsteuer nach § 17 UStG zu berichtigen ist. Wer diesen Schritt aufschiebt, weist eine Forderung aus, die es wirtschaftlich nicht mehr gibt. Das Gegenstück auf der Einkaufsseite ist der Kreditor; wie eine ausstehende Zahlung angemahnt wird, zeigt die Mahnungsvorlage.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Debitor und Kreditor?
Ein Debitor schuldet dem Unternehmen Geld, ein Kreditor bekommt Geld vom Unternehmen. Debitoren sind also Kunden mit offenen Forderungen, Kreditoren Lieferanten mit offenen Verbindlichkeiten. Im DATEV-Standard liegen Debitoren im Nummernkreis 10000 bis 69999, Kreditoren von 70000 bis 99999.
Auf welches Konto buche ich eine Ausgangsrechnung?
Auf das Personenkonto des Kunden, nicht auf das Sammelkonto. Das Sammelkonto Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (SKR03 1400, SKR04 1200) übernimmt den Saldo aller Debitoren automatisch und ist für Direktbuchungen gesperrt.
Brauche ich überhaupt Debitorenkonten?
Zwingend vorgeschrieben sind sie nicht. Wer sofort bezahlt wird, kann Erlöse direkt gegen Bank buchen. Sobald aber Rechnungen mit Zahlungsziel gestellt werden, ist die Debitorenbuchhaltung die einzige praktikable Möglichkeit, offene Posten je Kunde zu verfolgen.
Wie lange kann ich eine Forderung noch eintreiben?
Drei Jahre. Die regelmäßige Verjährungsfrist nach § 195 BGB beginnt nach § 199 BGB erst mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger davon Kenntnis hat. Eine Rechnung aus 2026 verjährt damit zum 31.12.2029.
Ist die Debitorennummer dasselbe wie die Kundennummer?
Nicht zwingend. Die Debitorennummer stammt aus dem Nummernkreis der Buchhaltung, die Kundennummer aus Warenwirtschaft oder CRM. Viele Betriebe halten beide bewusst identisch, damit sich Rechnung und Buchung ohne Übersetzungstabelle zuordnen lassen.