Lexikon · Jahresabschluss & Bewertung

Buchwert

Der Buchwert ist der Wert, mit dem ein Vermögensgegenstand in den Büchern steht: die Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich aller bisher vorgenommenen Abschreibungen — bei abnutzbaren Anlagegütern auch Restbuchwert genannt.

Der Buchwert — bei abnutzbaren Gütern auch Restbuchwert — ist der Betrag, mit dem ein Vermögensgegenstand in der Buchhaltung geführt wird: die Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich aller bis dahin vorgenommenen Abschreibungen. Er sinkt mit jeder Jahresabschreibung und ist damit eine reine Rechengröße des Abschreibungsplans, kein Preis.

Rechenbeispiel: linearer Abschreibungsverlauf

Eine Maschine mit Anschaffungskosten von 12.000 € und einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von fünf Jahren wird am 1. Juli 2026 angeschafft. Der volle Jahresbetrag beträgt 2.400 €; im Anschaffungsjahr wird nach § 7 Abs. 1 EStG monatsanteilig ab dem Anschaffungsmonat abgeschrieben, hier also 6/12.

JahrAbschreibungBuchwert am 31.12.
2026 (6 Monate)1.200,00 €10.800,00 €
20272.400,00 €8.400,00 €
20282.400,00 €6.000,00 €
20292.400,00 €3.600,00 €
20302.400,00 €1.200,00 €
2031 (Restmonate)1.199,00 €1,00 € Erinnerungswert

Weil das Anschaffungsjahr nur halb zählt, zieht sich die Abschreibung über sechs Kalenderjahre. Gebucht wird sie jeweils zum Abschlussstichtag über Abschreibungen auf Sachanlagen (SKR03 4830 / SKR04 6220) an das Anlagekonto, hier Maschinen (SKR03 0210 / SKR04 0440). Den Verlauf für eigene Werte rechnet der AfA-Rechner aus.

Praxis

Ein Buchwert von 1 € heißt nicht, dass das Gerät wertlos ist. Der Erinnerungswert hält vollständig abgeschriebene, aber weiter genutzte Wirtschaftsgüter im Anlagenverzeichnis sichtbar. Genau diese Posten fallen bei der Inventur auf: Wer sie ungeprüft mitschleppt, führt Geräte, die längst entsorgt sind — und wer sie zu früh löscht, verliert den Nachweis für einen späteren Verkaufserlös.

Buchwert ist kein Marktwert

Die Nutzungsdauer der AfA-Tabellen ist eine Typisierung, kein Werturteil über das einzelne Gerät. Eine sechs Jahre alte Maschine kann buchhalterisch fast nichts mehr wert sein und trotzdem gut verkäuflich; umgekehrt kann ein Gegenstand über seinem tatsächlichen Wert stehen. Für den zweiten Fall verlangt § 253 Abs. 3 HGB bei voraussichtlich dauernder Wertminderung eine außerplanmäßige Abschreibung auf den niedrigeren beizulegenden Wert; steuerlich entspricht dem die Teilwertabschreibung. Fällt der Grund später weg, ist handelsrechtlich wieder zuzuschreiben.

Ein Wirtschaftsgut kann außerdem zwei verschiedene Buchwerte haben. Wer handelsrechtlich linear und steuerlich degressiv abschreibt, führt in Handels- und Steuerbilanz unterschiedliche Restbuchwerte; dasselbe passiert nach einer Teilwertabschreibung, die handelsrechtlich nicht nachvollzogen wird. Für die Umsatzsteuer und für Entnahmen ist wiederum keiner der beiden Werte maßgebend, sondern der Wiederbeschaffungswert im Zeitpunkt der Entnahme. Beim Wechsel eines Gegenstands ins Privatvermögen ist deshalb nicht der Restbuchwert anzusetzen, auch wenn er der bequemere Wert wäre — siehe Privatentnahme.

Der Buchwert beim Abgang

Praktisch relevant wird der Buchwert vor allem beim Verkauf: Erlös minus Restbuchwert ergibt Buchgewinn oder Buchverlust. Wird die Maschine aus dem Beispiel zum 31.12.2029 für 5.000 € netto verkauft, steht dem Erlös ein Restbuchwert von 3.600 € gegenüber — es entsteht ein Buchgewinn von 1.400 €. Gebucht wird in zwei Schritten:

Bei einem Buchverlust laufen dieselben Schritte über die Verlustkonten SKR03 2310 bzw. SKR04 6895. Wichtig ist, im Jahr des Abgangs zuerst die zeitanteilige Abschreibung bis zum Abgangsmonat zu erfassen, sonst stimmt der ausgebuchte Wert nicht. Auch der Investitionsabzugsbetrag wirkt auf diese Rechengröße: Er mindert im Investitionsjahr die Anschaffungskosten und damit die Bemessungsgrundlage, von der aus weiter abgeschrieben wird. Alle Wertänderungen des Jahres landen am Ende als Abschlussbuchung im Jahresabschluss und im Verzeichnis des Anlagevermögens.

Häufige Fragen

Ist der Buchwert dasselbe wie der Marktwert?

Nein. Der Buchwert folgt dem Abschreibungsplan, der Marktwert dem, was ein Käufer zahlen würde. Eine vollständig abgeschriebene Maschine kann am Markt noch mehrere tausend Euro wert sein.

Warum steht ein Gerät mit 1 Euro in den Büchern?

Das ist der Erinnerungswert. Ist ein Wirtschaftsgut vollständig abgeschrieben, wird es weiterhin genutzt, aber mit einem symbolischen Restbuchwert von einem Euro geführt, damit es im Anlagenverzeichnis sichtbar bleibt.

Wie berechne ich den Buchwert nach drei Jahren?

Anschaffungskosten minus der Summe der bisherigen Abschreibungen. Bei linearer Abschreibung ist das der Anschaffungswert abzüglich dreimal des Jahresbetrags, wobei das Anschaffungsjahr nur monatsanteilig zählt.

Was passiert mit dem Buchwert beim Verkauf?

Er wird ausgebucht und dem Erlös gegenübergestellt. Liegt der Verkaufserlös über dem Restbuchwert, entsteht ein Buchgewinn, liegt er darunter, ein Buchverlust — beides wirkt sich im Jahr des Abgangs auf den Gewinn aus.

Darf ich außerplanmäßig abschreiben, wenn eine Maschine an Wert verliert?

Ja, bei voraussichtlich dauernder Wertminderung. § 253 Abs. 3 HGB verlangt dann eine außerplanmäßige Abschreibung auf den niedrigeren beizulegenden Wert; steuerlich entspricht das der Teilwertabschreibung.