Soll und Haben
Soll und Haben sind die beiden Seiten eines Buchhaltungskontos — Soll ist die linke, Haben die rechte Seite; jede Buchung erfasst denselben Betrag einmal im Soll und einmal im Haben, weshalb beide Summen stets übereinstimmen.
Soll und Haben sind die beiden Seiten eines Buchhaltungskontos: Soll ist die linke, Haben die rechte Seite. Mehr steckt zunächst nicht dahinter — die Begriffe stammen aus der historischen Kontokorrentbuchführung („der Kunde soll zahlen“, „der Kunde hat gezahlt“) und haben mit schulden oder besitzen im heutigen Sinn nichts zu tun.
In der doppelten Buchführung wird jeder Betrag zweimal erfasst: einmal im Soll eines Kontos und einmal im Haben eines anderen. Dadurch ist die Summe aller Soll-Buchungen immer gleich der Summe aller Haben-Buchungen.
Was Soll und Haben je Kontenart bedeuten
Die inhaltliche Bedeutung einer Seite ergibt sich erst aus dem Kontentyp. Diese Tabelle ist die eigentliche Merkregel — wer sie kennt, kann jeden Buchungssatz selbst herleiten.
| Kontenart | Beispiel | Soll (links) | Haben (rechts) | Anfangsbestand |
|---|---|---|---|---|
| Aktives Bestandskonto | Bank, Kasse, Forderungen, Waren | Zugang | Abgang | im Soll |
| Passives Bestandskonto | Verbindlichkeiten, Darlehen, Kapital | Abgang | Zugang | im Haben |
| Aufwandskonto | Miete, Bürobedarf, Löhne | Aufwand entsteht | Minderung, Abschluss über die GuV | — |
| Ertragskonto | Erlöse, Zinserträge | Minderung, Abschluss über die GuV | Ertrag entsteht | — |
| Privatkonto | Privatentnahmen, Privateinlagen | Entnahme | Einlage | — |
Rechenbeispiel: eine Ausgangsrechnung
Ein Betrieb stellt eine Rechnung über 1.000,00 € netto zuzüglich 19 % Umsatzsteuer, also 1.190,00 € brutto (nachzurechnen im Umsatzsteuer-Rechner), auf Ziel. Die Forderung ist ein aktives Bestandskonto und wächst, steht also im Soll. Erlöse und Umsatzsteuer sind Ertrag beziehungsweise Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt und stehen im Haben.
| Konto | SKR 03 | SKR 04 | Soll | Haben |
|---|---|---|---|---|
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 1400 | 1200 | 1.190,00 € | — |
| Erlöse 19 % USt | 8400 | 4400 | — | 1.000,00 € |
| Umsatzsteuer 19 % | 1776 | 3806 | — | 190,00 € |
Zahlt der Kunde später, dreht sich die Forderung um: Bank 1.190,00 € an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1.190,00 €. Der Zugang auf dem aktiven Konto Bank steht im Soll, der Abgang der Forderung im Haben. Beide Buchungen zusammen haben den Gewinn genau einmal erhöht, nämlich um die 1.000,00 € Erlös — der Geldeingang selbst ist erfolgsneutral.
Zweites Beispiel: eine Privatentnahme
Der Inhaber entnimmt 1.000,00 € aus der Kasse. Das Privatkonto (SKR 03 1800, SKR 04 2100) wird im Soll angesprochen, die Kasse (1000 bzw. 1600) als aktives Bestandskonto mit einem Abgang im Haben: Privatentnahmen allgemein 1.000,00 € an Kasse 1.000,00 €.
Obwohl Geld den Betrieb verlässt, ist das kein Aufwand. Privatkonten sind Unterkonten des Eigenkapitals und werden über dieses abgeschlossen, nicht über die Gewinn- und Verlustrechnung. Wer die Privatentnahme im Soll eines Aufwandskontos bucht, drückt den Gewinn zu Unrecht.
Die Kontrollrechnung
Weil jede Buchung beide Seiten gleichzeitig bedient, muss in der Summen- und Saldenliste die Soll-Summe exakt der Haben-Summe entsprechen. Weicht sie ab, liegt ein Fehler vor — meist ein Zahlendreher oder eine vergessene Gegenbuchung. Anschaulich wird das an den T-Konten, auf denen sich beide Seiten unmittelbar gegenüberstehen.
Diese Probe ersetzt keine inhaltliche Prüfung: Ein Betrag, der auf dem falschen Aufwandskonto landet, hält die Summen trotzdem im Gleichgewicht. Die doppelte Buchführung fängt Rechenfehler ab, keine Zuordnungsfehler — dafür braucht es die Kontierung anhand des Belegs.
Häufige Fehler
- Soll mit Ausgabe und Haben mit Einnahme gleichsetzen, statt vom Kontentyp auszugehen.
- Die Spaltenlogik des Bankauszugs in die eigene Buchhaltung übernehmen.
- Auf passiven Bestandskonten Zugänge ins Soll buchen und damit Verbindlichkeiten mindern statt erhöhen.
- Beim Ausgleich einer Forderung erneut einen Erlös buchen und den Umsatz dadurch doppelt erfassen.
Die Spalten Soll und Haben auf dem Kontoauszug sind aus Sicht der Bank geschrieben: Für sie ist Ihr Guthaben eine Verbindlichkeit, deshalb erscheint ein Geldeingang dort im Haben. In Ihrer eigenen Buchhaltung ist das aktive Bestandskonto Bank betroffen, und ein Zugang gehört ins Soll. Wer die Spaltenbezeichnung des Auszugs ungeprüft übernimmt, dreht jede Bankbuchung um.
Häufige Fragen
Ist Soll gleich Ausgabe und Haben gleich Einnahme?
Nein, das ist der klassische Irrtum. Soll heißt nur linke Kontoseite und Haben rechte Kontoseite; was das inhaltlich bedeutet, hängt allein von der Kontenart ab.
Warum steht auf meinem Kontoauszug ein Geldeingang im Haben?
Weil der Auszug aus Sicht der Bank geschrieben ist, für die Ihr Guthaben eine Verbindlichkeit ist. In Ihrer eigenen Buchhaltung ist dasselbe Geld ein Zugang auf einem aktiven Bestandskonto und steht damit im Soll.
Auf welcher Seite steht ein Aufwand?
Aufwendungen werden im Soll gebucht, Erträge im Haben. Beim Abschluss über die Gewinn- und Verlustrechnung wechseln die Salden dann jeweils auf die andere Seite.
Woher kommen die Begriffe Soll und Haben?
Aus der historischen Kontokorrentbuchführung: Der Kunde soll zahlen oder hat gezahlt. Mit schulden oder besitzen im heutigen Sinn haben die Wörter nichts mehr zu tun.
Was bedeutet es, wenn Soll und Haben nicht übereinstimmen?
Es liegt ein Fehler vor, meist ein Zahlendreher oder eine vergessene Gegenbuchung. Die Gleichheit beider Summen ist die eingebaute Kontrollrechnung der doppelten Buchführung.