Lexikon · Buchhaltung & Aufbewahrung

Kontierung

Kontierung ist das Zuordnen eines Geschäftsvorfalls zu Soll- und Haben-Konto eines Kontenrahmens wie SKR 03 oder SKR 04; erst mit Kontierungsvermerk und Verbuchung wird ein Beleg zum Buchungsbeleg im Sinne der GoBD.

Kontierung bezeichnet das Zuordnen eines Geschäftsvorfalls zu den passenden Konten der Buchhaltung – jeweils mindestens einem Soll- und einem Haben-Konto. Das Ergebnis ist der Buchungssatz, gelesen als „Soll an Haben“, zum Beispiel „Bürobedarf an Bank“. Erst der Kontierungsvermerk zusammen mit der Verbuchung macht aus einer Rechnung einen Buchungsbeleg mit Belegfunktion.

Der Weg vom Beleg zur Buchung

  1. Beleg prüfen: Sind alle Pflichtangaben einer Rechnung vorhanden, stimmen Leistung, Betrag und Steuerausweis?
  2. Geschäftsvorfall einordnen: Aufwand oder Anschaffung, betrieblich oder privat, welcher Steuersatz, welcher Leistungszeitraum?
  3. Konten wählen: ein Konto im Soll, ein Gegenkonto im Haben – bei mehreren Positionen als Splitbuchung.
  4. Beleg kennzeichnen: Belegnummer vergeben und Beleg mit der Buchung verknüpfen.
  5. Buchen und festschreiben: Erfassung im Journal, danach greift die Festschreibung.

Was zu einer vollständigen Kontierung gehört

Die klassische Form ist der Kontierungsstempel auf dem Papierbeleg. Seine Felder sind bis heute der inhaltliche Mindestumfang, unabhängig davon, ob gestempelt oder digital erfasst wird:

FeldInhaltBeispiel
Belegnummerfortlaufendes Ordnungskriterium, verbindet Beleg und BuchungER-2026-0142
BelegdatumDatum der Rechnung, nicht der Zahlung15.02.2026
KontoAufwands-, Ertrags- oder Bestandskonto4930 Bürobedarf
GegenkontoBank, Kasse oder Verbindlichkeit1200 Bank
BetragBrutto, getrennt nach Steuersatz119,00 €
Steuerschlüsselsteuert Steuersatz und Vorsteuerabzug19 % Vorsteuer
Kostenstelleoptional, für die interne AuswertungVertrieb
Handzeichenwer kontiert und wer geprüft hatMS / KH

Kontierung bei digitalen Belegen

Bei elektronischen Belegen verlangen die GoBD keinen Vermerk auf dem Dokument. Die Angaben zu Kontierung, Ordnungskriterium und Buchungsdatum dürfen stattdessen über eine Verknüpfung hergestellt werden – etwa über einen eindeutigen Index, einen Barcode oder einen Datensatz, der Beleg und Buchung verbindet. Das ist mehr als eine Formalie: Eine PDF-Rechnung nachträglich zu beschriften, würde den Originalzustand verändern und gegen die Unveränderbarkeit verstoßen. Der saubere Weg ist, das Original unverändert zu archivieren und die Kontierung als Metadaten daneben zu führen.

Typische Kontierungen

GeschäftsvorfallSKR 03SKR 04
Bürobedarf bar gekauft, 119 € brutto4930 und 1576 an 10006815 und 1406 an 1600
Wareneingang auf Rechnung, 1.190 € brutto3400 an 16005400 an 3300
Ausgangsrechnung, 2.380 € brutto1400 an 84001200 an 4400
Kundenzahlung geht ein1200 an 14001800 an 1200
Privatentnahme aus der Kasse1800 an 10002100 an 1600

Die Konten 3400/5400 und 8400/4400 sind Automatikkonten: Sie erzeugen die Umsatz- bzw. Vorsteuer selbst, ein separater Steuerbuchungssatz entfällt. Welche Konten überhaupt zur Verfügung stehen, gibt der Kontenrahmen vor.

Praxis

Die teuersten Kontierungsfehler entstehen nicht bei der Kontowahl, sondern beim Steuerschlüssel: Reverse-Charge-Leistungen aus dem Ausland, Kleinbetragsrechnungen ohne Steuerausweis und innergemeinschaftliche Erwerbe landen häufig mit 19 % Vorsteuer im System, obwohl gar keine deutsche Vorsteuer angefallen ist.

Häufige Fehler

Für wiederkehrende Sonderfälle lohnt es sich, die Kontierung einmal sauber festzulegen und dann konsequent anzuwenden – etwa bei Bewirtungskosten mit ihrem nicht abziehbaren Anteil oder bei Reisekosten mit Verpflegungspauschalen und Übernachtung. Wie aus kontierten Buchungen ein Übergabeformat für die Kanzlei wird, beschreibt der Eintrag zum DATEV-Buchungsstapel; wie sich der vorgelagerte Belegfluss automatisieren lässt, zeigt die Seite Buchhaltung automatisieren.

Häufige Fragen

Was gehört auf einen Kontierungsstempel?

Belegnummer, Buchungsdatum, Konto und Gegenkonto, Betrag, Steuer- bzw. Buchungsschlüssel, gegebenenfalls Kostenstelle und ein Handzeichen. Erst mit diesen Angaben wird aus einem Beleg ein Buchungsbeleg.

Muss ich digitale Rechnungen noch stempeln?

Nein. Bei elektronischen Belegen darf der Kontierungsvermerk durch eine Verknüpfung ersetzt werden, etwa durch einen eindeutigen Index, einen Barcode oder einen Datensatz mit den Kontierungsangaben.

Darf ich eine PDF-Rechnung nachträglich beschriften?

Besser nicht. Ein in die Datei geschriebener Vermerk verändert den Originalbeleg und verstößt gegen die Unveränderbarkeit; die Kontierung gehört in die Buchhaltung oder in die Metadaten des Dokuments.

Was ist der Unterschied zwischen Kontierung und Buchung?

Die Kontierung ist die Entscheidung, welche Konten mit welchem Betrag und Steuerschlüssel betroffen sind. Die Buchung ist ihre Erfassung im System – erst damit wird der Vorgang Teil des Journals.

Wer kontiert, der Unternehmer oder die Kanzlei?

Beides ist üblich. Viele Mandanten kontieren vor und die Kanzlei prüft und korrigiert; entscheidend ist, dass die Zuordnung nachvollziehbar dokumentiert und der Beleg auffindbar ist.