Bestandskonten
Bestandskonten führen die Posten der Bilanz fort — aktive Bestandskonten das Vermögen, passive das Eigenkapital und die Schulden; anders als Erfolgskonten wirken sich Buchungen auf ihnen nicht auf den Gewinn aus.
Bestandskonten führen die Posten der Bilanz während des Geschäftsjahres fort. Aktive Bestandskonten bilden das Vermögen ab — Maschinen, Waren, Forderungen, Bank, Kasse. Passive Bestandskonten zeigen Eigenkapital und Schulden, etwa Darlehen oder Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.
Der Gegensatz dazu sind die Erfolgskonten für Aufwendungen und Erträge. Eine reine Bestandsbuchung verändert nur die Zusammensetzung der Bilanz, nicht den Gewinn — auch dann nicht, wenn dabei Geld fließt.
Rechtsgrundlage
§ 242 Abs. 1 HGB verpflichtet den Kaufmann, zu Beginn des Handelsgewerbes und zum Schluss jedes Geschäftsjahrs eine Bilanz aufzustellen, die das Verhältnis von Vermögen und Schulden darstellt. § 266 HGB gibt deren Gliederung vor: auf der Aktivseite Anlagevermögen, Umlaufvermögen, Rechnungsabgrenzungsposten und latente Steuern, auf der Passivseite Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten und Rechnungsabgrenzungsposten. Die Bestandskonten sind nichts anderes als die unterjährige Fortschreibung genau dieser Posten.
Aktive und passive Bestandskonten im Kontenrahmen
| Bestandskonto | Bilanzseite | SKR 03 | SKR 04 |
|---|---|---|---|
| Kasse | aktiv | 1000 | 1600 |
| Bank | aktiv | 1200 | 1800 |
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | aktiv | 1400 | 1200 |
| Waren (Bestand) | aktiv | 3980 | 1140 |
| Pkw | aktiv | 0320 | 0520 |
| Büroeinrichtung | aktiv | 0420 | 0650 |
| Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | passiv | 1600 | 3300 |
| Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten | passiv | 0630 | 3150 |
| Gezeichnetes Kapital | passiv | 0800 | 2900 |
Die Nummernsprünge sind kein Zufall: Der SKR 03 ordnet nach dem betrieblichen Prozess, der SKR 04 nach der Bilanzgliederung. Deshalb steht der Warenbestand einmal bei den Wareneingangskonten und einmal im Umlaufvermögen. Mehr dazu unter Kontenrahmen.
Rechenbeispiel: Darlehensrate
Vom Bankkonto gehen 2.300,00 € für eine Darlehensrate ab, davon 2.000,00 € Tilgung und 300,00 € Zinsen.
| Konto | Art | SKR 03 | SKR 04 | Soll | Haben |
|---|---|---|---|---|---|
| Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten | Bestandskonto | 0630 | 3150 | 2.000,00 € | — |
| Zinsaufwendungen für langfristige Verbindlichkeiten | Erfolgskonto | 2120 | 7320 | 300,00 € | — |
| Bank | Bestandskonto | 1200 | 1800 | — | 2.300,00 € |
Von den 2.300,00 €, die das Konto verlassen, mindern nur 300,00 € den Gewinn. Die Tilgung berührt ausschließlich Bestandskonten: Bankguthaben und Darlehensschuld schrumpfen gleichzeitig, die Bilanz wird kürzer, das Ergebnis bleibt gleich. Wer die volle Rate als Aufwand bucht, weist einen um 2.000,00 € zu niedrigen Gewinn aus — ein Fehler, der bei jeder Prüfung des Darlehenskontos auffällt, weil der Buchwert der Schuld dann nicht mehr zum Saldenbestätigungsschreiben der Bank passt.
Abgrenzung zu Erfolgs- und Privatkonten
Die deutsche Buchführung kennt drei Kontengruppen, die sich im Abschluss unterschiedlich verhalten:
- Bestandskonten — haben einen Anfangsbestand, schließen über das Schlussbilanzkonto ab und erscheinen in der Bilanz. Ihr Saldo wird ins nächste Jahr vorgetragen.
- Erfolgskonten — starten bei null, schließen über die Gewinn- und Verlustrechnung ab und erscheinen dort. Ihr Saldo fließt als Jahresergebnis ins Eigenkapital und wird nicht vorgetragen.
- Privatkonten — Unterkonten des Eigenkapitals, also technisch passive Bestandskonten. Sie schließen direkt über das Kapitalkonto ab und laufen an der GuV vorbei.
Die Faustregel für die Praxis: Fließt Geld, sagt das noch nichts über die Gewinnwirkung. Erst die Frage, ob ein Aufwands- oder Ertragskonto beteiligt ist, entscheidet darüber — ein Prinzip, das auch der Einnahmen-Überschuss-Rechnung fehlt, weil dort tatsächlich der Zahlungszeitpunkt zählt.
Vom Anfangs- zum Schlussbestand
Die Anfangsbestände stammen aus der Schlussbilanz des Vorjahres und laufen über die Eröffnungsbuchung ein; in beiden DATEV-Kontenrahmen dient dafür das Vortragskonto 9000. Auf aktiven Konten steht der Anfangsbestand im Soll, auf passiven im Haben. Am Jahresende werden die Salden über das Schlussbilanzkonto zur Bilanz zusammengeführt (Abschlussbuchung), nachdem die Inventur die Buchbestände bestätigt oder korrigiert hat — eine Inventurliste hilft beim Abgleich. Anschaulich lässt sich das an T-Konten nachvollziehen.
Privatentnahmen und Privateinlagen laufen über Privatkonten (SKR 03 1800, SKR 04 2100). Das sind Unterkonten des Eigenkapitals, also Bestandskonten — sie gehören nicht in die Gewinn- und Verlustrechnung, auch wenn Geld das Betriebskonto verlässt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Bestands- und Erfolgskonten?
Bestandskonten führen Bilanzposten fort und lassen den Gewinn unberührt, Erfolgskonten erfassen Aufwendungen und Erträge und verändern ihn. Bestandskonten schließen über das Schlussbilanzkonto ab, Erfolgskonten über die Gewinn- und Verlustrechnung.
Ist das Bankkonto ein aktives oder ein passives Bestandskonto?
Ein aktives, solange es ein Guthaben ausweist: Es gehört zum Umlaufvermögen, Zugänge stehen im Soll. Ein dauerhaft überzogenes Kontokorrentkonto wird dagegen als Verbindlichkeit gegenüber Kreditinstituten passivisch ausgewiesen.
Mindert die Tilgung eines Darlehens den Gewinn?
Nein, die Tilgung ist ein reiner Passivtausch und berührt nur Bestandskonten. Gewinnwirksam ist ausschließlich der Zinsanteil der Rate.
Woher kommen die Anfangsbestände der Bestandskonten?
Aus der Schlussbilanz des Vorjahres, die als Eröffnungsbilanz übernommen wird. In den DATEV-Kontenrahmen laufen die Werte über das Vortragskonto 9000 ein.
Sind Privatkonten Bestandskonten?
Ja, sie sind Unterkonten des Eigenkapitals und damit passivisch. Deshalb verändern Privatentnahmen und Privateinlagen zwar das Kapital, nicht aber den Gewinn.
Warum tauchen Waren in SKR 03 und SKR 04 in verschiedenen Klassen auf?
Weil SKR 03 nach dem betrieblichen Prozess gliedert und den Warenbestand zu den Wareneingangskonten stellt, SKR 04 dagegen nach der Bilanz und ihn im Umlaufvermögen führt. Das Konto heißt in SKR 03 3980 und in SKR 04 1140.