Lexikon · Doppelte Buchführung

Kontenrahmen (SKR 03, SKR 04)

Ein Kontenrahmen ist ein standardisiertes Verzeichnis aller Buchhaltungskonten einer Branche; in Deutschland dominieren die DATEV-Standardkontenrahmen SKR 03 (nach dem Prozessgliederungsprinzip) und SKR 04 (nach dem Abschlussgliederungsprinzip).

Ein Kontenrahmen ist ein standardisiertes Verzeichnis aller Konten, die eine Branche für ihre Buchführung braucht. Er gibt Nummern und Bezeichnungen vor, damit Betrieb, Steuerberater und Software dieselbe Sprache sprechen.

Davon zu unterscheiden ist der Kontenplan: die Auswahl an Konten, die ein einzelner Betrieb tatsächlich bebucht. Der Rahmen bietet mehrere tausend Konten an, ein kleiner Dienstleister kommt mit wenigen Dutzend aus.

Wie eine Kontonummer aufgebaut ist

Die Nummern der DATEV-Sachkonten sind mindestens vierstellig und von links nach rechts immer feiner gegliedert: Die erste Stelle nennt die Kontenklasse, die zweite die Kontengruppe innerhalb der Klasse, die dritte die Untergruppe und die vierte das einzelne Konto. Bei 1576 („Abziehbare Vorsteuer 19 %“) steht die 1 also für die Klasse der Finanz- und Privatkonten und die 157 für die Gruppe der Vorsteuerkonten; die letzte Stelle unterscheidet die Fälle innerhalb dieser Gruppe — 1570 ist die allgemeine abziehbare Vorsteuer, 1576 die mit 19 %.

Neben den Sachkonten führen beide Rahmen fünfstellige Personenkonten: Für Debitoren ist der Bereich 10000 bis 69999 reserviert, für Kreditoren 70000 bis 99999. Jeder Kunde und jeder Lieferant bekommt darin eine eigene Nummer, sodass sich die offenen Posten je Geschäftspartner auswerten lassen, ohne die Sachkontenstruktur zu berühren.

Die zehn Kontenklassen im Vergleich

Beide DATEV-Standardkontenrahmen haben zehn Kontenklassen, die die erste Stelle der mindestens vierstelligen Kontonummer belegen. Die Systematik ist jedoch grundverschieden: SKR 03 folgt dem Prozessgliederungsprinzip, also dem betrieblichen Ablauf von der Beschaffung bis zum Absatz; SKR 04 folgt dem Abschlussgliederungsprinzip, also dem Aufbau von Bilanz (§ 266 HGB) und Gewinn- und Verlustrechnung (§ 275 HGB).

KlasseSKR 03 — ProzessgliederungSKR 04 — Abschlussgliederung
0Anlage- und KapitalkontenAnlagevermögen
1Finanz- und PrivatkontenUmlaufvermögen
2AbgrenzungskontenEigenkapitalkonten
3Wareneingangs- und BestandskontenFremdkapitalkonten
4Betriebliche AufwendungenBetriebliche Erträge
5unbesetztBetriebliche Aufwendungen
6unbesetztBetriebliche Aufwendungen
7Bestände an ErzeugnissenWeitere Erträge und Aufwendungen
8Erlöskontenunbesetzt
9Vortrags-, Kapital-, Korrektur- und statistische KontenVortrags-, Kapital-, Korrektur- und statistische Konten

Die auffälligste Folge: Im SKR 03 liegen alle Aufwendungen in Klasse 4 und alle Erlöse in Klasse 8, im SKR 04 stehen die Erträge vorn in Klasse 4 und die Aufwendungen in den Klassen 5 bis 7 — genau in der Reihenfolge, in der sie später in der GuV erscheinen.

Dieselbe Buchung, zwei Nummern

Für die Kontierung ist nur wichtig, welche Nummer das gemeinte Sachkonto im jeweiligen Rahmen trägt. Diese Umschlüsselung deckt den Großteil des Alltags ab:

KontoSKR 03SKR 04
Kasse10001600
Bank12001800
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen14001200
Abziehbare Vorsteuer 19 %15761406
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen16003300
Umsatzsteuer 19 %17763806
Privatentnahmen allgemein18002100
Wareneingang 19 % Vorsteuer34005400
Bürobedarf49306815
Erlöse 19 % USt84004400
Saldenvorträge, Sachkonten90009000

Ein Beispiel: Der Einkauf von Handelsware für 5.000,00 € netto zuzüglich 950,00 € Vorsteuer auf Ziel lautet im SKR 03 3400 und 1576 an 1600 und im SKR 04 5400 und 1406 an 3300 — identischer Buchungssatz, identischer Betrag von 5.950,00 €, nur andere Nummern.

Wahl und Wechsel

Verbindlich vorgeschrieben ist keiner der beiden Rahmen. In der Praxis entscheidet, womit die Kanzlei arbeitet, denn die Nummern prägen jeden Buchungsstapel, der über die DATEV-Schnittstelle übergeben wird. Traditionell gilt SKR 03 als der Rahmen der kleineren Einzelunternehmen und Personengesellschaften, SKR 04 als der bilanzorientierte Rahmen für Kapitalgesellschaften — zwingend ist diese Zuordnung nicht.

Ein Wechsel ist technisch möglich, aber mühsam: Sämtliche bereits erfassten Buchungen müssen umgeschlüsselt und die Vorjahresvergleichswerte angepasst werden. Der einzig saubere Zeitpunkt ist deshalb der Jahreswechsel, unmittelbar nach dem Abschluss. Daraus folgt eine schlichte Empfehlung für Gründerinnen und Gründer: den Rahmen einmal bewusst festlegen und dann konsequent dabei bleiben.

Weitere Kontenrahmen

SKR 03 und SKR 04 sind nur die bekanntesten. DATEV pflegt daneben zahlreiche Branchen- und Spezialrahmen, etwa für Vereine, das Gastgewerbe, die Landwirtschaft, Handwerksbetriebe oder Freiberufler. Sie behalten die Klassenlogik ihres Basisrahmens bei und ergänzen sie um branchentypische Konten — der Rahmen „Bau und Handwerk“ etwa unterteilt die Bauten und Betriebsvorrichtungen deutlich feiner als der Standard. Wer eine solche Branchenlösung nutzt, bleibt beim Datenaustausch trotzdem kompatibel, solange die Kanzlei denselben Rahmen hinterlegt hat.

Unabhängig davon, welcher Rahmen im Einsatz ist, gilt derselbe Grundsatz: Der Kontenplan sollte nur so viele Konten enthalten, wie der Betrieb wirklich unterscheiden muss. Jedes zusätzliche Konto ist eine weitere Entscheidung bei der Kontierung und eine weitere Fehlerquelle — und wer Aufwendungen zu fein aufteilt, erschwert sich später die Auswertung, ohne dass der Jahresabschluss dadurch genauer wird.

Achtung

Mehrere Kontonummern existieren in beiden Rahmen, meinen dort aber völlig Verschiedenes: 1200 ist im SKR 03 das Bankkonto und im SKR 04 die Forderungen, 1800 im SKR 03 die Privatentnahmen und im SKR 04 die Bank. Wer einen Kontenplan oder einen Buchungsstapel ohne Angabe des Rahmens weitergibt, produziert genau hier Fehlbuchungen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen SKR 03 und SKR 04?

SKR 03 ordnet die Konten nach dem betrieblichen Prozess von der Beschaffung bis zum Absatz, SKR 04 nach der gesetzlichen Gliederung von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung. Inhaltlich führen beide zum selben Jahresabschluss, nur die Kontonummern unterscheiden sich.

Was ist der Unterschied zwischen Kontenrahmen und Kontenplan?

Der Kontenrahmen ist das vollständige Standardverzeichnis für eine Branche, der Kontenplan die daraus abgeleitete Auswahl, die ein einzelner Betrieb tatsächlich bebucht. Ein kleiner Dienstleister nutzt oft nur wenige Dutzend der mehreren tausend angebotenen Konten.

Welchen Kontenrahmen soll ich als Gründer wählen?

Nehmen Sie den, mit dem Ihr Steuerberater arbeitet. Verbindlich vorgeschrieben ist keiner von beiden, aber ein einheitlicher Rahmen erspart bei jedem Datenaustausch eine Umschlüsselung.

Kann ich den Kontenrahmen mitten im Jahr wechseln?

Technisch ja, praktisch ungern. Alle bereits erfassten Buchungen müssen umgeschlüsselt und die Vergleichszahlen angepasst werden; der saubere Zeitpunkt ist der Jahreswechsel.

Warum sind im SKR 03 die Klassen 5 und 6 leer?

Weil die Prozessgliederung sie nicht braucht: Aufwendungen sitzen dort geschlossen in Klasse 4. Im SKR 04 ist es umgekehrt, dort ist die Klasse 8 unbesetzt.

Gibt es außer SKR 03 und SKR 04 weitere Kontenrahmen?

Ja, DATEV führt zahlreiche Spezialrahmen, etwa für Vereine, das Gastgewerbe, die Landwirtschaft oder Handwerksbetriebe. Sie folgen derselben Klassenlogik, ergänzen aber branchentypische Konten.

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