SKR 04
Der SKR 04 ist der DATEV-Standardkontenrahmen mit Abschlussgliederung: Die Konten folgen dem Aufbau von Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung, weshalb die Erlöse in der Kontenklasse 4 und die betrieblichen Aufwendungen in den Klassen 5 und 6 stehen.
Der SKR 04 ist der zweite DATEV-Standardkontenrahmen und folgt dem Abschlussgliederungsprinzip: Die Reihenfolge der Konten orientiert sich laut DATEV an den gesetzlichen Vorgaben für die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung. Wer den Kontenplan von vorn nach hinten liest, liest damit im Grunde den Jahresabschluss — erst Anlagevermögen, dann Umlaufvermögen, danach Eigen- und Fremdkapital, anschließend Erträge und Aufwendungen. Auch der SKR 04 hat zehn Kontenklassen von 0 bis 9.
Der Kontenplan liest sich wie der Jahresabschluss
Das Abschlussgliederungsprinzip bedeutet konkret: Die Nummernfolge bildet die gesetzlichen Gliederungsvorschriften nach. Die Klassen 0 bis 3 entsprechen dem Bilanzschema des § 266 HGB — erst die Aktivseite mit Anlage- und Umlaufvermögen, dann die Passivseite mit Eigen- und Fremdkapital. Die Klassen 4 bis 7 bilden die Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 HGB ab, die mit den Umsatzerlösen beginnt und über Material- und Personalaufwand bis zu den Steuern läuft. Klasse 8 bleibt im Standard frei, Klasse 9 nimmt wie im SKR 03 die Vortrags- und statistischen Konten auf.
Dadurch verkürzt sich der Weg von der Buchung zum Abschluss: Wer eine Position der Bilanz sucht, findet die zugehörigen Konten dort, wo sie auch in der Bilanz stehen. Für die laufende Buchhaltung ändert das nichts — der Buchungsstoff ist identisch, nur die Nummern sind anders vergeben.
Die zehn Kontenklassen des SKR 04
| Klasse | Bezeichnung | Typische Konten |
|---|---|---|
| 0 | Anlagevermögen | 0520 Pkw, 0670 Geringwertige Wirtschaftsgüter |
| 1 | Umlaufvermögen | 1200 Forderungen, 1406 Vorsteuer 19 %, 1600 Kasse, 1800 Bank |
| 2 | Eigenkapitalkonten | 2000 Festkapital, 2100 Privatentnahmen, 2180 Privateinlagen |
| 3 | Fremdkapitalkonten | 3300 Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, 3806 Umsatzsteuer 19 % |
| 4 | Betriebliche Erträge | 4300 Erlöse 7 % USt, 4400 Erlöse 19 % USt |
| 5 | Betriebliche Aufwendungen (Material und Waren) | 5300 Wareneingang 7 %, 5400 Wareneingang 19 % |
| 6 | Betriebliche Aufwendungen (Personal, Abschreibungen, sonstige) | 6640 Bewirtungskosten, 6670 Reisekosten Unternehmer, 6815 Bürobedarf |
| 7 | Weitere Erträge und Aufwendungen | 7100 Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, 7300 Zinsen und ähnliche Aufwendungen, 7610 Gewerbesteuer |
| 8 | frei | im Standard nicht belegt |
| 9 | Vortrags-, Kapital-, Korrektur- und statistische Konten | 9000 Saldenvorträge Sachkonten |
Die Klassen 0 bis 3 spiegeln die Aktiv- und Passivseite der Bilanz nach § 266 HGB, die Klassen 4 bis 7 die Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 HGB. Deshalb steht die Umsatzsteuer hier als Verbindlichkeit in der Klasse 3, während die abziehbare Vorsteuer als Forderung im Umlaufvermögen der Klasse 1 liegt. Personenkonten sind wie im SKR 03 fünfstellig: Debitoren 10000 bis 69999, Kreditoren 70000 bis 99999.
SKR 04 und SKR 03 im Vergleich
Inhaltlich buchen beide Kontenrahmen dasselbe; nur die Nummern unterscheiden sich. Die Konten, die im Tagesgeschäft ständig auftauchen:
| Konto | SKR 04 | SKR 03 |
|---|---|---|
| Kasse | 1600 | 1000 |
| Bank | 1800 | 1200 |
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 1200 | 1400 |
| Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | 3300 | 1600 |
| Abziehbare Vorsteuer 19 % | 1406 | 1576 |
| Umsatzsteuer 19 % | 3806 | 1776 |
| Wareneingang 19 % Vorsteuer | 5400 | 3400 |
| Erlöse 19 % USt | 4400 | 8400 |
| Bewirtungskosten (abziehbar) | 6640 | 4650 |
| Nicht abzugsfähige Bewirtungskosten | 6644 | 4654 |
| Reisekosten Unternehmer | 6670 | 4670 |
| Geringwertige Wirtschaftsgüter | 0670 | 0480 |
| Privateinlagen | 2180 | 1890 |
Rechenbeispiel: eine Ausgangsrechnung im SKR 04
Ein Dienstleister stellt 1.000,00 € netto in Rechnung. Mit 19 % Umsatzsteuer sind das 190,00 € Steuer und 1.190,00 € brutto. Bei Soll-Versteuerung entsteht die Steuer bereits mit der Leistung, nicht erst mit der Zahlung:
- 1200 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1.190,00 € an4400 Erlöse 19 % USt 1.000,00 € und 3806 Umsatzsteuer 19 % 190,00 €
- Bei Zahlungseingang: 1800 Bank 1.190,00 € an1200 Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1.190,00 €
Weil 4400 ein Automatikkonto ist, genügt in der Praxis der Bruttobetrag mit dem passenden Steuerschlüssel — das Programm bespielt 3806 selbst. Die dort aufgelaufene Steuer geht in die Umsatzsteuervoranmeldung ein.
Ein Kontenrahmenwechsel gehört an den Beginn eines Wirtschaftsjahres. Mitten im Jahr müssten sämtliche Salden, Vorjahresvergleiche, Auswertungen und Buchungsvorlagen umgeschlüsselt werden — und alle bereits gebuchten Belege trügen Kontonummern, die im neuen Rahmen etwas anderes bedeuten. Denselben Rahmen müssen außerdem Betrieb, Buchhaltungssoftware und Kanzlei verwenden.
Aufwandskonten der Klassen 5 und 6
Anders als im SKR 03, der alle betrieblichen Aufwendungen in der Klasse 4 bündelt, teilt der SKR 04 sie auf zwei Klassen auf. In der Klasse 5 liegt der Materialaufwand: Wareneingang, bezogene Leistungen, Bezugskosten, Nachlässe. Die Klasse 6 nimmt alles Übrige auf — Löhne und Gehälter, Abschreibungen, Raumkosten, Fahrzeugkosten, Werbung, Bewirtungsaufwendungen auf 6640 und den nicht abzugsfähigen 30-Prozent-Anteil auf 6644, Reisekosten des Unternehmers ab 6670 und die der Arbeitnehmer getrennt davon ab 6650. Die Klasse 7 sammelt danach, was nicht zum operativen Geschäft gehört: Zinsen, Beteiligungserträge und Steuern.
Geringwertige Wirtschaftsgüter bleiben auch hier ein Anlagegut — sie werden auf 0670 aktiviert und über 6260 sofort abgeschrieben, statt direkt als laufender Aufwand zu laufen. Das ist kein Formalismus: Wirtschaftsgüter über 250 € gehören nach § 6 Abs. 2 EStG in ein laufend zu führendes Verzeichnis.
Für wen der SKR 04 passt
Der SKR 04 gilt als der modernere der beiden Kontenrahmen, weil er den Weg von der Buchung zum Abschluss verkürzt: Die Kontenfolge entspricht der Gliederung, in der Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung ohnehin aufzustellen sind. Kapitalgesellschaften und größere Unternehmen wählen ihn deshalb häufiger, verpflichtend ist er aber für keine Rechtsform. Für die tägliche Kontierung ist wichtiger, dass zu jeder Bankzeile der passende Beleg vorliegt — welches Konto stimmt, entscheidet sich am Dokument, nicht am Kontenrahmen. Wie Reisekosten in beiden Rahmen laufen, zeigt der Ratgeber Reisekosten buchen im SKR 03 und SKR 04.
Häufige Fragen
Warum liegen die Erlöse im SKR 04 in der Kontenklasse 4?
Weil der Kontenrahmen dem Abschlussgliederungsprinzip folgt. Die Klassen 0 bis 3 bilden die Bilanz ab, danach beginnt die Gewinn- und Verlustrechnung — und die startet nach § 275 HGB mit den Umsatzerlösen.
Welche Kontenklasse ist im SKR 04 frei?
Die Klasse 8. Sie ist im Standard nicht belegt und steht für eigene Auswertungen zur Verfügung; die Klasse 9 enthält wie im SKR 03 die Vortrags-, Korrektur- und statistischen Konten.
Auf welches Konto buche ich Erlöse zum Regelsteuersatz im SKR 04?
Auf 4400 Erlöse 19 % USt. Die Umsatzsteuer läuft auf 3806, weil sie im SKR 04 als Verbindlichkeit in der Fremdkapitalklasse 3 geführt wird.
Ist der SKR 04 besser als der SKR 03?
Nicht besser, nur anders sortiert. Der SKR 04 verkürzt den Weg von der Buchung zum Abschluss, weil die Kontenfolge der Bilanz- und GuV-Gliederung entspricht. Fachlich führen beide Kontenrahmen zum identischen Ergebnis.
Wie rechne ich eine SKR-03-Nummer in eine SKR-04-Nummer um?
Nicht durch eine Formel, sondern über eine Zuordnungstabelle. Buchhaltungsprogramme und Kanzleisoftware bringen dafür Umschlüsselungslisten mit, weil dieselbe Nummer in beiden Rahmen ein völlig anderes Konto bezeichnen kann.
Muss ich den Kontenrahmen beim DATEV-Export angeben?
Ja. Der Buchungsstapel enthält nur Kontonummern, keine Kontobezeichnungen. Stimmt der Kontenrahmen der Zielumgebung nicht mit dem der Quelle überein, landen die Beträge auf falschen Konten.