Lexikon · Doppelte Buchführung

Eröffnungsbuchung

Mit der Eröffnungsbuchung werden zu Beginn eines Geschäftsjahres die Schlussbestände des Vorjahres auf die Bestandskonten vorgetragen, damit die Eröffnungsbilanz nach § 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB exakt der Schlussbilanz des Vorjahres entspricht.

Die Eröffnungsbuchung überträgt zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres die Schlussbestände des Vorjahres auf die Konten. Erst dadurch schließt die laufende Buchführung lückenlos an das Vorjahr an. Der Grundsatz der Bilanzidentität in § 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB verlangt wörtlich, dass die Wertansätze in der Eröffnungsbilanz des Geschäftsjahres mit denen der Schlussbilanz des vorhergehenden Geschäftsjahres übereinstimmen.

Rechtlich verankert ist die Eröffnungsbilanz selbst in § 242 Abs. 1 HGB: Der Kaufmann stellt sie zu Beginn seines Handelsgewerbes und zum Schluss jedes Geschäftsjahres auf. Für die laufende Buchhaltung heißt das schlicht: Ohne Vortrag beginnt jedes Bestandskonto bei null, und die Bilanz wäre falsch.

So wird gebucht: das Eröffnungsbilanzkonto

Klassisch geschieht der Vortrag über das Eröffnungsbilanzkonto (EBK), ein reines Spiegelkonto. Aktive Bestandskonten werden im Soll eröffnet, passive im Haben — genau spiegelbildlich zur Bilanz, weshalb das EBK am Ende immer auf null steht. In DATEV-Kontenrahmen heißt dieses Konto 9000 Saldenvorträge Sachkonten, und zwar in SKR03 und SKR04 unter derselben Nummer. Personenkonten laufen getrennt über 9008 Saldenvorträge Debitoren und 9009 Saldenvorträge Kreditoren; zusammen müssen die drei Konten null ergeben. Für Sammelvorträge existiert zusätzlich 9090 Summenvortragskonto.

Rechenbeispiel: Vortrag zum 01.01.2026

Ein Einzelunternehmen schließt das Jahr 2025 mit dieser Bilanz ab und trägt die Werte am 01.01.2026 vor:

KontoSKR03SKR04SollHaben
Kasse100016001.500,00 €
Bank1200180024.500,00 €
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen1400120018.000,00 €
Waren (Bestand)3980114016.000,00 €
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen1600330012.400,00 €
Sonstige Rückstellungen097030703.600,00 €
Variables Kapital0880201044.000,00 €
Summe60.000,00 €60.000,00 €

Die Buchungssätze lauten spiegelbildlich gegen 9000: 1000 Kasse 1.500,00 € an 9000, 1200 Bank 24.500,00 € an 9000, 1400 Forderungen 18.000,00 € an 9000, 3980 Waren 16.000,00 € an 9000 sowie auf der Gegenseite 9000 an 1600 Verbindlichkeiten 12.400,00 €, 9000 an 0970 Rückstellungen 3.600,00 € und 9000 an 0880 Variables Kapital 44.000,00 €. Auf dem Konto 9000 stehen damit 60.000,00 € im Haben und 60.000,00 € im Soll: Saldo null, Vortrag vollständig. Wer die Bewegung auf T-Konten nachzeichnet, sieht sofort, welcher Vortrag fehlt, wenn die Probe nicht aufgeht.

Achtung

Die Kontonummer 1200 ist im SKR03 die Bank, im SKR04 dagegen die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Wer beim Wechsel des Kontenrahmens Saldenlisten aus dem Altsystem einfach übernimmt, trägt Bankguthaben als offene Forderungen vor — und wundert sich das ganze Jahr über ein Offene-Posten-Konto, das sich nicht klärt.

Häufige Fehler beim Vortrag

Was nicht vorgetragen wird

Erfolgskonten bleiben außen vor: Aufwendungen und Erträge beginnen jedes Jahr bei null, sonst würde der Gewinn doppelt gezählt. Ihr Ergebnis wandert über die Abschlussbuchungen ins Eigenkapital und ist damit im Kapitalvortrag bereits enthalten. Gleiches gilt für Privatentnahmen und Privateinlagen: Sie werden zum Jahresende gegen das Kapitalkonto abgeschlossen und starten im neuen Jahr wieder bei null.

Sonderfall Betriebseröffnung: Hier gibt es kein Vorjahr, die Eröffnungsbilanz entsteht aus einer Inventur zum Gründungsstichtag. Diese Eröffnungsbilanz zählt zu den Unterlagen, die zehn Jahre aufzubewahren sind — anders als der einzelne Buchungsbeleg, für den seit dem 01.01.2025 acht Jahre gelten (§ 147 Abs. 3 AO). Wie lange welche Unterlage konkret liegen bleiben muss, rechnet der Aufbewahrungsfristen-Rechner aus.

Häufige Fragen

Auf welches Konto wird der Saldenvortrag gebucht?

Auf das Konto 9000 Saldenvorträge Sachkonten — in SKR03 und SKR04 identisch. Personenkonten laufen getrennt über 9008 für Debitoren und 9009 für Kreditoren.

Warum werden Aufwands- und Ertragskonten nicht vorgetragen?

Weil sie Erfolgskonten sind und jedes Geschäftsjahr bei null beginnen. Nur ihr Saldo wirkt über das Jahresergebnis auf das Eigenkapital und taucht dort im Vortrag wieder auf.

Was bedeutet Bilanzidentität?

Die Wertansätze der Eröffnungsbilanz müssen mit denen der Schlussbilanz des Vorjahres übereinstimmen — so steht es in § 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB. Ein stiller Wertsprung zum Jahreswechsel ist damit ausgeschlossen.

Was tun, wenn Konto 9000 nicht auf null steht?

Dann fehlt ein Vortrag oder ein Betrag wurde auf der falschen Seite erfasst. Der Restsaldo ist genau die Differenz, die man suchen muss — meist ein vergessenes Passivkonto oder ein Vorzeichenfehler.

Muss ich die Eröffnungsbuchung selbst erfassen?

In der Regel nicht. Buchhaltungsprogramme übernehmen die Salden beim Jahreswechsel automatisch, sobald das Vorjahr abgeschlossen ist. Bei einem Systemwechsel oder einer Betriebseröffnung müssen die Werte dagegen manuell erfasst werden.

Ändert sich der Vortrag, wenn der Jahresabschluss später korrigiert wird?

Ja. Wird das Vorjahr nach der Vortragsbuchung noch geändert, muss der Saldenvortrag nachgezogen werden, sonst weichen Eröffnungs- und Schlussbilanz voneinander ab.