Bei Versand durch Amazon zahlst du Versand-, Lager-, Langzeitlager- und Retourengebühren — und keine davon erscheint je als eigene Abbuchung auf deinem Konto. Sie stecken alle in einer kleineren Auszahlung. Dazu kommt ein Posten, den viele FBA-Händler gar nicht führen: der Bestand im Amazon-Lager.
Amazon-FBA-Buchhaltung hat zwei Baustellen, die der Marktplatzhandel ohne Fulfillment nicht hat. Erstens verschwindet die gesamte Logistikkostenseite in der Nettoauszahlung und ist nur über den Abrechnungsbericht sichtbar. Zweitens liegt dein Vorratsvermögen in fremden Hallen, verteilt über mehrere Länder — und muss zum Stichtag trotzdem bewertet in der Bilanz stehen.
Kostenseite
Fällt für jede versandte Einheit an und richtet sich nach Größenklasse und Gewicht. Für niedrigpreisige Artikel gibt es ein eigenes Programm mit reduzierten Sätzen. Diese Gebühr ist der direkte Ersatz deiner eigenen Ausgangsfracht — sie gehört in dieselbe Aufwandsgruppe.
Wird nach belegtem Volumen berechnet und ist im Weihnachtsquartal deutlich höher als im Rest des Jahres. Weil sie zeitraumbezogen ist, gehört sie periodengerecht in den Monat, für den sie erhoben wird — nicht in den Monat der Auszahlung.
Für Bestand, der über eine bestimmte Liegedauer hinaus im Lager bleibt. Sie ist ein Warnsignal für die Bewertung: Ware, die so lange steht, ist oft auch ein Kandidat für eine Abwertung im Jahresabschluss.
Bearbeitungsgebühren für Rücksendungen, Entsorgung und Liquidation von Beständen. Sie sind Aufwand, auch wenn sie im Abrechnungsbericht neben Erlösposten stehen.
Kommt unabhängig von FBA auf jeden Verkauf und ist kategorieabhängig. Zum Jahreswechsel 2025/2026 hat Amazon in mehreren Kategorien die Prozentsätze gesenkt und im Gegenzug Lager-, Retouren- und Liquidationsgebühren erhöht — wer mit alten Werten kalkuliert, rechnet doppelt falsch.
Amazon Ads wird getrennt abgerechnet, und die Rechnungen liegen nicht in Seller Central, sondern in der Ads-Konsole. Werden sie mit dem Verkäuferguthaben verrechnet, fehlt die Ausgabe auf dem Bankkonto vollständig.
Konkrete Beträge stehen in der Tarifübersicht, die Amazon regelmäßig ändert — deshalb nennt diese Seite die Gebührenarten und die Mechanik statt eingefrorener Zahlen. Für die Buchhaltung ist ohnehin wichtiger, dass alle Arten getrennt erfasst werden: Wer sie als eine Position Amazon-Gebühren zusammenfasst, kann später nicht mehr sagen, ob die Marge an der Provision oder am Lager hängt.
Bestand
Ware, die du an Amazon geschickt hast, ist verkauft — an niemanden. Sie bleibt dein Eigentum und damit dein Vorratsvermögen, egal in welchem Land sie gerade liegt. Zum Bilanzstichtag musst du sie mengen- und wertmäßig nachweisen.
Wie die körperliche Bestandsaufnahme grundsätzlich funktioniert, steht im Lexikon unter Inventur. Bei FBA tritt der Amazon-Bericht an die Stelle der Zählliste — mit der Konsequenz, dass du ihn zum Stichtag auch wirklich ziehen und aufbewahren musst. Nachträglich lässt sich ein Bestand vom 31.12. nicht rekonstruieren.
Sonderfälle
Geht Ware im Lager verloren oder wird beschädigt, erstattet Amazon dir einen Betrag. Das ist kein Verkaufserlös an einen Kunden, sondern ein Ersatz für den Bestandsabgang — und gehört entsprechend getrennt erfasst, damit Umsatz und Bestand konsistent bleiben.
Bestand, den du entsorgen oder an dich zurückschicken lässt, verlässt das Vorratsvermögen. Die Gebühr dafür ist Aufwand, der Abgang selbst eine Bestandsveränderung — zwei Buchungen, nicht eine.
Gutschriften beziehen sich oft auf Bestellungen früherer Monate. Für die Periodenzuordnung zählt der Bericht, nicht das Datum der Auszahlung, in der die Gutschrift auftaucht.
Umsatzsteuer
Seit dem 1. August 2024 werden Verkaufen bei Amazon, Versand durch Amazon und die übrigen Dienstleistungen nicht mehr von der luxemburgischen Amazon Services Europe S.à r.l. erbracht, sondern von Amazon EU S.à r.l. — für in Deutschland ansässige Unternehmen über die Niederlassung im Ansässigkeitsland. Auf die FBA-Gebühren fällt seitdem Umsatzsteuer an, und Reverse Charge nach § 13b UStG greift dafür nicht mehr.
Für dich heißt das: normale Eingangsrechnung, normaler Vorsteuerabzug — und niedrigere Auszahlungen, weil die Steuer mit einbehalten wird. Jede Buchungsanweisung für FBA-Gebühren, die noch auf Reverse Charge steht, stammt aus der Zeit davor. Erschwerend kommt hinzu, dass Amazon in Rechnungen und Auszahlungsberichten nicht kennzeichnet, welche Gebühr in welche Kategorie fällt. Behandle deshalb die Gebührenrechnung als maßgebliches Dokument, nicht den Abrechnungsbericht — und prüfe bei ausländischen Marktplätzen und Werbekosten gesondert.
Klarstellung
FAQ
Die Versandgebühr je versandter Einheit nach Größe und Gewicht, die monatliche Lagergebühr nach belegtem Volumen mit Aufschlag im Weihnachtsquartal, Langzeitlagergebühren für lange liegenden Bestand sowie Gebühren für Retourenbearbeitung, Entsorgung und Liquidation. Dazu kommen die von FBA unabhängige Verkaufsgebühr und, sofern genutzt, die Werbekosten.
Als Betriebsausgaben, getrennt nach Art und gegen das Amazon-Verrechnungskonto — nicht als Minderung des Erlöses. Nur so bleibt der Bruttoerlös in der Höhe stehen, die dem Verkaufspreis entspricht, und du kannst später auswerten, welche Kostenart deine Marge frisst.
Ja. Die Einlagerung ist kein Verkauf; die Ware bleibt dein Vorratsvermögen, auch wenn sie in einem Amazon-Lager im Ausland liegt. Zum Stichtag brauchst du die Bestandsdaten aus den Amazon-Berichten als Grundlage für Inventur und Bewertung — und musst sie zum Stichtag ziehen, weil sie sich nachträglich nicht rekonstruieren lassen.
Nicht als Verkaufserlös. Es ist eine Entschädigung für einen Bestandsabgang und gehört getrennt erfasst, damit Umsatz und Vorratsbestand konsistent bleiben. Die genaue Kontierung stimmst du mit deinem Steuerberater ab.
Für den deutschen Marktplatz nicht mehr. Seit dem 1. August 2024 erbringt Amazon EU S.à r.l. die Leistungen und rechnet für in Deutschland ansässige Unternehmen über die Niederlassung im Ansässigkeitsland ab, sodass Umsatzsteuer anfällt und du normal Vorsteuer ziehst. Für Werbekosten und ausländische Marktplätze prüfe die konkrete Rechnung.
Sobald Amazon deine Ware in einem anderen EU-Land lagert, entsteht dort eine umsatzsteuerliche Registrierungspflicht — unabhängig von der Umsatzhöhe. Verkäufe aus diesem Lager an Kunden desselben Landes laufen nicht über OSS, weil sie keine innergemeinschaftlichen Fernverkäufe sind. Details auf der Seite zum OSS-Verfahren im Onlinehandel.
Quellen
Amazon ändert Gebührensätze regelmäßig, zuletzt zum Jahreswechsel 2025/2026. Maßgeblich ist die jeweils gültige Tarifübersicht und deine eigene Abrechnung. Kontierung und Bewertung stimmst du mit deinem Steuerberater ab; diese Seite ersetzt keine Steuerberatung.
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